Kolumne

 

Segel setzen

April 2020

 

Wir sitzen alle im selben Boot.“ Dieser Satz, ausgesprochen von Papst Franziskus auf dem leeren Petersplatz in Rom Ende März, geht mir nicht aus dem Kopf. Weil ich, je länger die Krise dauert, nicht mehr an ihn glaube.

Noch immer fühlt sich für mich Corona an wie ein groß angelegtes Experiment. Eines, dass die Welt erst einmal komplett aus den Angeln hebt. Um dann zu schauen, was danach kommt. Kommen kann.

Die Krise hat dabei viele Gesichter. Doch ich glaube, sie ist eines nicht: für alle gleich. Nicht für Männer und Frauen. Nicht für Alte und Junge. Nicht für Singles und Familien. Nicht für Angestellte und Selbstständige. Es gibt kein Boot, in dem wir alle sitzen, weil jeder eine andere Geschichte dieser Krise erzählt. Erzählen will oder gar muss.

Aber ist das wirklich schlimm? Müssen wir im selben Boot sitzen, um Mitmenschlichkeit zu leben und füreinander da zu sein? Können wir nicht trotz des eigenen schaukelnden Bootes ab und an einen Blick auf die benachbarten werfen? Und auch nach denen schauen, die so weit weg vom eigenen scheinen? Sehen, was uns verbindet. Oder eben gerade trennt. Zuhören, statt nur von sich selbst zu reden.

Und wenn eine zweite Welle käme, hätten wir vielleicht eines von der ersten gelernt: Es muss keine Rolle spielen, in welchem Boot wir sitzen.