Kolumne

 

Viel Lärm um nichts?

März 2021

 

Das Plakat am Straßenrand ist nicht zu übersehen. LÄRM? … steht da in roten Versalien. Und ich frage mich: Ist das wirklich das Gebot der Stunde?

Beim ersten Mal halte ich es für ein Missverständnis. Denn ich will nicht glauben, was ich bereits ahne. Beim zweiten Mal macht der Blick auf die Unterzeile jeglichen Zweifel zunichte: die Telefonnummer des Ordnungsamts.

Das Citylight-Plakat, wie es in der Werbefachsprache heißt, springt nicht nur tagsüber ins Auge. Es wird auch abends extra hinterleuchtet – auch in Zeiten nächtlicher Ausgangssperre. Und nun frage ich mich: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich ausgerechnet in Zeiten von Corona von Lärm belästigt fühle?

Und wenn das nicht wahrscheinlich ist, worum geht es dann wirklich? Soll ich am Ende meine Nachbarn „anschwärzen“, wenn es so klingt, als könnten sich da mehr als der Haushalt plus eine Person treffen? Was für ein Miteinander soll das werden? Maske auf, Tür zu, Distanz halten, dafür aber Tür auf fürs Denunzieren? Wäre nicht (auch hier) ein freundlich-offenes Gespräch unter Nachbarn die erste Wahl, wenn ich Angst habe, da könnte einer über die „Corona-Stränge“ schlagen?

Warum hat die Landeshauptstadt in diesen Zeiten so wenig zu bieten? Warum werden solche Flächen nicht genutzt, um Hoffnung zu verbreiten, auf Zusammenhalt zu setzen und auf ein Miteinander? Das ist doch auch auf Abstand möglich?! Da allerdings herrscht aus dem Rathaus erschreckende Funkstille.

Darf ich einen spontanen Gegenvorschlag machen, liebe Stadtväter? Wie wär‘s mit: „Heute schon gelächelt?“ Denn das, habe ich in zehn Monaten Corona gelernt, sieht man auch hinter der Maske – nämlich dann, wenn es die Augen erreicht. Und es ist wunderbar ansteckend!